Privatinsolvenz anmelden

Anhand der gegenwärtigen Statistiken ist nahezu jeder dritte Haushalt verschuldet. Hiervon wieder kann sich jeder zehnte Haushalt aus eigener Kraft aus der finanziellen Misere nicht mehr befreien. Daher wundert es wenig, dass es 2006 im Vergleich zu 2005 34,8% mehr Fälle von Privatinsolvenz gab. Der Trend zu mehr Privatinsolvenzen scheint ungebrochen weiter zu gehen. 2007 stieg die Zahl der Privatinsolvenzen um neun Prozent auf einen neuen Rekord von 164.597 Fälle. Da die Länder meist die Verfahrenskosten tragen müssen und diese Kostenbelastung ausufert, steht eine Reform der Privatinsolvenz ins Haus, wobei die Gebühren im Vordergrund stehen.

Privatinsolvenz

Privatinsolvenz (exakt Verbraucherinsolvenz) ist ein vereinfachtes Insolvenzverfahren. Dadurch kann der Schuldner seinen Schuldenberg loswerden (Restschuldbefreiung) und die Gläubiger erhalten eine anteilige Befriedigung.

Private Insolvenz

Die private Insolvenz heißt umgangssprachlich deswegen so, weil die sog. Verbraucherinsolvenz (oder vereinfacht Privatinsolvenz) speziell für nichtselbständige Menschen geschaffen wurde. Für Gewerbetreibende und Freiberufler besteht nach wie vor die “normale” Insolvenz (Regelverfahren). Für Kleingewerbetreibende gibt es eng begrenzte Ausnahmen (vgl. § 304 I InsO).

Voraussetzungen der Privatinsolvenz

Eine plötzliche eintretende Arbeitslosigkeit, eine Krankheit oder weitere Ursachen lassen oft die Einnahmen einbrechen und dabei zugleich die Kosten und damit die Schulden ansteigen. Auch langjährige finanzielle Misswirtschaft oder Fehlinvestitionen mit Ratenzahlungen etc. sind oft Gründe für eine (untechnisch gemeinte) Überschuldung. Häufigste Ursachen sind – je nach Quelle – übrigens Handy, Auto, weitere Luxusgüter und Haus(bau).

Private Insolvenz einfach anmelden?

Sieht man keinen finanziellen Ausweg mehr, liegt die private Insolvenz natürlich nahe. Diese seit 1999 mögliche Option ermöglicht auch Privatpersonen eine mögliche Schuldenbefreiung (Restschuldbefreiung) ggf. nach sechs Jahren ab gerichtlicher Verfahrenseröffnung.

Überschuldung

Die Verfahrenseröffnung einer Privatinsolvenz setzt eine Überschuldung voraus. Die Schulden müssen also so hoch sein, dass nicht zu erwarten ist, dass diese in den kommenden sechs Jahren mit den zu erwartenden Einnahmen und Verwertungen bezahlt werden können. Pfändungsfreigrenzen etc. sind natürlich zu berücksichtigen.

Einigungsversuch(e)

Um jedoch eine solche private Insolvenz zu beantragen sind grundsätzlich vier Voraussetzungen erforderlich. Dies liegt auch daran, dass viele Personen angesichts der in Aussicht stehenden Schuldenbefreiung dieses Unterfangen nicht mit dem notwendigen Ernst betrachten und hierin einen Freibrief sehen.
So muss der Schuldner erst einmal versuchen, sich auf außergerichtlichen Weg mit seinen zahlreichen Gläubigern zu einigen. Dies kann selbst, mit Hilfe einer Schuldnerberatung oder eines Anwalts geschehen. Man versucht bzw. diese versuchen dann am besten auf Basis nachweisbarer Korrespondenz, einen Zahlungsplan zu vereinbaren, der individuell tilgbar ist. Sollte sich jedoch hier ein Gläubiger weigern, so dass man keine einvernehmliche Lösung findet, kann (nur) die öffentlich anerkannte Beratungsstelle oder der Anwalt das Scheitern wirksam bescheinigen.

Antrag der privaten Insolvenz

Nun kann man die Verbraucherinsolvenz beim Insolvenzgericht beantragen. Hierbei muss man neben einer individuellen Beratung bei einem anerkannten Schuldnerberater oder Rechtsanwalt auch die vergeblichen Lösungsvorschläge gegenüber den Gläubigern nachweisen. Ebenso muss man ein Verzeichnis mit seinem Vermögen, allen Gläubigern und deren Forderungen einreichen. Ein Plan, wie man die Schulden bezahlen kann, ist ebenfalls notwendig.

Nach dem vollständigen Antrag versucht nun das Gericht ebenfalls eine gütliche Einigung mit den Gläubigern zu veranlassen.

Privatinsolvenz – das Verfahren

Sollte dieser gerichtliche Einigungsversuch jedoch ebenfalls scheitern, wird die private Insolvenz – genauer das vereinfachte Insolvenzverfahren – eröffnet.
Die Gläubiger werden anteilig nun soweit möglich nach Verwertung des Vermögens durch einen Treuhänder und Abzug der Verfahrenskosten befriedigt.

Restschuldbefreiung

Wesentliches Ziel vieler Schuldner ist die Restschuldbefreiung. Diese steht nach sechs Jahren ab Verfahrenseröffnung unter bestimmten Bedingungen in Aussicht.
Diese so genannte “Wohlverhaltensphase” besagt, dass der Schuldner nach seinen individuellen Möglichkeiten alles über einen Zeitraum von sechs Jahren dafür zu tun hat, um die restlichen Schulden zu begleichen. Sollte diese Phase ohne Auffälligkeiten und Störungen verlaufen, sieht das Gesetz vor, dass die jeweilige Restschuldversicherung erlassen wird.

Wenn Ihnen als Schulder oder Gläubiger eine private Insolvenz bevorsteht, informieren Sie sich am besten noch weiter generell und lassen Sie sich dann individuell beraten – als Schuldner am besten bei einer öffentlich anerkannten Beratungsstelle mit der Berechtigung zur Beratungshilfe.

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